Die Tegel-Matrix: Wie das Berliner Schumacher-Quartier nachhaltige Stadtentwicklung neu definiert
- Bauhuette 4.0
- 16. Juli
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Plan für das Schumacher Quartier; ©Berlin TXL Management GmbH/ rendertaxi
Die Tegel-Matrix ist das Bewertungssystem für die nachhaltige Vergabe im Berliner Schumacher-Quartier, Europas größtem urbanen Holzbauprojekt. Sie bewertet Angebote anhand ökologischer und ökonomischer Kriterien, um Kosteneinsparungen von 20–25 % und eine CO₂-Reduzierung von 80 % zu erzielen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel entsteht das Schumacher Quartier, ein großflächiges Holzbauviertel mit über 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 zukünftige Bewohner*innen. Ziel des Projekts ist es, die Baukosten im Vergleich zu konventionellen Bauweisen um 20–25 % zu senken und die CO₂-Emissionen um 80 % zu reduzieren.
Um diese Ziele zu erreichen, wurde in Zusammenarbeit mit der TU Berlin, dem Fraunhofer IPK und der Tegel Projekt GmbH ein Nachhaltigkeitsbewertungssystem – die sogenannte Tegel-Matrix oder Vergabematrix – entwickelt. Mithilfe dieser Matrix werden Bauangebote anhand ökologischer und ökonomischer Kriterien bewertet, um sicherzustellen, dass holzbasierte und zirkuläre Bauprinzipien im Vergabeverfahren Priorität erhalten.
Die Tegel-Matrix bewertet Angebote anhand von drei Hauptkriterien mit jeweils definierten Unterkategorien:
1. Konstruktion
T1–T6 (Tragende Konstruktion): Materialart (mineralische, hybride, Holz- oder nachwachsende Rohstoffe)
H1–H2 (Gebäudehülle): Fassaden- und Dämmsysteme
A1–A4 (Innenausbau): Fußböden, Wände, Decken
2. Lebenszyklusanalyse (LCA)
CO₂-Fußabdruck (kg CO₂e/m²)
Anteil erneuerbarer Rohstoffe (kg/m²)
Kohlenstoffspeicherung (kg C/m²)
Primärenergiebedarf (MJ/m²)
3. Zusätzliche Kriterien
Nutzung digitaler Werkzeuge (BIM, LCA-Software)
Modularität und Demontagepotenzial
Bezahlbarkeit und soziale Auswirkungen
Jede Unterkategorie wird anhand vordefinierter Schwellenwerte mit Punkten bewertet, wobei Holz und biobasierte Materialien höhere Punktzahlen erhalten. Die Gesamtpunktzahl bestimmt die Rangfolge des Angebots.
Beim urbanen Holzbau gibt es zwar Herausforderungen, aber auch Lösungsansätze. Die Tegel Matrix zielt darauf ab, diese Lösungsansätze zu entwickeln. Traditionelle Vergabeprozesse priorisieren oft Kosten gegenüber Nachhaltigkeit. Dies kann zu kurzfristigen Einsparungen auf Kosten langfristiger ökologischer und sozialer Nachteile führen, einen Mangel an Standardisierung bei der Bewertung der ökologischen Leistungsfähigkeit zur Folge haben und es innovativen Holzbaulösungen erschweren, mit konventionellen Materialien zu konkurrieren.
Die Tegel-Matrix begegnet diesen Herausforderungen, indem sie eine Chancengleichheit für Holzbau schafft, der zwar höhere Anfangskosten, aber niedrigere Lebenszykluskosten aufweisen kann. Sie vereinfacht die Anforderungen an die Ökobilanzierung (LCA) für frühe Projektphasen und vermeidet die Einschränkungen früherer Modelle, wie beispielsweise des Münchner Ansatzes, der Massivholzkonstruktionen gegenüber Hybrid- oder Fertigbausystemen unverhältnismäßig begünstigte. Der Mangel an Ökobilanz-Expertise in frühen Planungsphasen wird durch eine vereinfachte Matrix mit vordefinierten Schwellenwerten behoben. Widerstände gegen Veränderungen werden durch Pilotprojekte und Vorzeigeprojekte abgebaut, während neue, an die Ökobilanz-/Lebenszykluskosten-Performance gekoppelte Förderinstrumente die politische Unterstützung gewährleisten. Engpässe in der Lieferkette werden durch regionale Netzwerke, die Kapazitäten mobilisieren, beseitigt.
Aus Berlin, für die Welt – welche Vorteile können andere Städte daraus ziehen?
Die Tegel-Matrix bietet praktische Erkenntnisse für Städte, die den Bausektor dekarbonisieren wollen. Städte können bei der Beschaffung ökologische Kriterien priorisieren, anstatt sich ausschließlich auf die Kosten zu konzentrieren. Darüber hinaus ermöglicht die Standardisierung von Nachhaltigkeitskennzahlen einen fairen Vergleich der Angebote. Investitionen in digitale Werkzeuge wie BIM und LCA können die Entscheidungsfindung beschleunigen, und die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Forstwirtschaft, Industrie und Stadtplanung gewährleistet ein einheitliches Vorgehen. Pilotprojekte, die als Echtzeitlabore dienen, tragen dazu bei, die Machbarkeit aufzuzeigen und das Vertrauen von Öffentlichkeit und Wirtschaft zu stärken.
Was kommt als Nächstes?
Das Schumacher Quartier soll in mehreren Phasen fertiggestellt werden. Die ersten Bewohner*innen werden in klimaneutrale, bezahlbare Wohnungen einziehen, die mit regionalem Holz, digitaler Präzision und nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft gebaut werden. Wir blicken der Zukunft des Schumacher Quartiers freudig entgegen!
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